Der Malort und das Malspiel

Malort – Atelier für intuitive Malerei

nach den Erkenntnissen Arno Sterns

Der Malort ist ein geschützter Raum der Geborgenheit und Beständigkeit. Wenn man diesen besonderen Ort betritt, fallen einem sofort die Wände mit den strahlenden, leuchtenden Farbspuren von zahllosen bemalten Blättern auf und wecken den elektrisierenden Impuls, gleich mit dem Malen beginnen zu wollen.
In der Mitte des Raumes befindet sich die Farbpalette, wie Arno Stern sie vor rund 50 Jahren erfunden hat. Hier reihen sich 18 brilliante Gouache-Farben aneinander mit je drei Feh-Haar-Pinseln, die die besondere Eigenschaft haben, viel Farbe aufnehmen zu können. Die Weichheit der Pinsel macht das Malen zum reinsten Vergnügen.

Malort

Die großen Blätter werden an den Wänden befestigt, man malt im Stehen und bleibt somit gleichzeitig in Bewegung, wenn man sich immer wieder Farbe vom Pallettentisch holt. Auf diese Weise gelingt ein freies und unbeschwertes Malen. Große und kleine Leute malen im Malort zusammen. Das ist wünschenswert, weil so Vergleiche und Wettbewerb, wie sonst üblich unter Gleichaltrigen, vermieden werden. Niemand wird belehrt und niemand spricht über die Spuren, die auf den Blättern entstehen. Jeder findet von selbst was er braucht.

Porträtbild: Tanja M. Marotzke

Die Malort – Leitung „spielt“ die „dienende Rolle“.

Die genaue Kenntnis der natürlichen Kreativitätsentwicklung mit der natürlich ablaufenden „Formualtion“ (1), wie sie bei jedem Kind, das unbelehrt malen darf zu beobachten ist, bestimmt die unvoreingenommene Haltung des Malort-Dieners zu Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die sich aus guten Gründen (2) rein auf das Bedienen beschränkt.
Es ist sehr wichtig für den Malenden, bedient zu werden. Nachdem man sich nach anfänglicher Befremdlichkeit an das ungewohnte Gefühl des bedingungslosen Angenommenseins gewöhnt hat, merkt man, dass es nicht schlimm ist, nicht alles selbst machen zu müssen und fängt an, das Bedientwerden zu genießen und genießt gleichzeitig die damit einhergehende Wertschätzung der eigenen Person. Besonders Kindern, die es aus Schule und Kindergarten gewohnt sind, sich ausschließlich nach den Erwachsenen richten zu müssen, verhilft das Malspiel wieder zu mehr Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen.

Der oder die „Dienende“ hängt die Blätter auf, versetzt die Reissnägel, fängt Tropfen auf, mischt Farben und bringt Hocker, Kissen oder Leiter. Jeder wird auf gleiche Weise bedient. Der Dienende versetzt sich in die Lage eines jeden Malenden um zu spüren, was derjenige gerade braucht.

Im Malort entwickelt sich das Malen wieder zum ursprünglichen Spiel und wird inmitten Gleichgesinnter als natürlicher Lebensprozess erlebt. Sich frei von den Erwartungen anderer entwickeln zu können, bedeutet, dass eigenes Können und Wollen (!) in Einklang kommen. Im geschützten Malort kann sich jeder frei aus sich selbst heraus entfalten.
Im Malort gibt es keinen Sieger und keinen Verlierer. Niemand muss sich anstrengen. Es gibt nichts zu erreichen und nichts zu befürchten.
Der Mensch wird sich im Malort inmitten der anderen in der Gegenwärtigkeit beim Malspiel seiner Einzigartigkeit bewusst.

Es verschwinden Vergleichen und Bewerten aus seiner Lebenseinstellung und diese Erfahrung verändert sein Verhalten auch ausserhalb des Malorts…

1)
Die Formulation ist ein von Arno Stern erfundener Begriff für die natürlich ablaufende Kreativitätsentwicklung bei Kindern. Die Formulation bezeichnet die typischen Erstfiguren, wie sie bei Kindern entstehen, wenn sie nicht von Erwachsenen belehrt werden oder von der üblichen Kunsterziehung in ihrer natürlichen Entwicklung gehemmt werden. Die Formulation hat ihren Ursprung in der genetischen Erinnerung. Dies wurde Arno Stern von forschenden Experten der Neurobiologie und Embryologie bestätigt. Mit fortschreitendem Alter werden die Erstfiguren der Formulation in sogenannte Bild-Dinge „gekleidet“ (z.B. Haus, Sonne, Blume, Berge, Vulkane, Explosionen etc. ). Dabei handelt es sich immer um ein inneres Bedürfnis nach Äusserung einer ursprünglichen Erinnerung, die mit Worten nicht zu beschreiben ist. Die Möglichkeit, diese Art von unbewusster Erinnerung im Malort ausdrücken zu können, ist eine sehr beglückende Erfahrung. Weil diese Erfahrung oftmals nicht sofort beim ersten Malspiel gemacht werden kann, wird es von Arno Stern empfohlen, das Malspiel regelmässig über ein Jahr lang auszuüben. Es gibt keine allgemeingültige Erfahrung, wie „schnell“ man beim Malen in die Formulation kommt. Dies hängt von der persönlichen Vorgeschichte eines jeden ab. Kleine, unvorbelastete Kinder malen auf der Stelle die Formulation… Es ist eine große Freude, dies miterleben zu dürfen.

2)
Die Haltung des Maldieners lässt sich gut anhand der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg erklären:
Sowohl Lob als auch Kritik sind Instrumente der Manipulation von Menschen (und auch Tieren) und führen zur Unterdrückung eigener Bedürfnisse nach Wertschätzung, Respekt und Anerkennung.
Beim Malen würde das bedeuten:
Wird das Bild eines Malenden gelobt (oh wie schön, wie toll, wie originell usw.) wirkt dies nach in Form von Selbstkritik, wenn weitere Bilder einmal nicht mehr gelobt werden. Denn Lob erzeugt Glückgefühle, die abhängig machen können. Im Extremfall malen Kinder dann immer die gleichen Bilder, für die sie einst gelobt wurden. Bleibt Lob aus, bleibt auch die Lust am Malen aus und verschwindet im ungünstigsten Fall ganz.
Ähnlich verhält es sich mit Kritik. Wenn das eigene Tun dauerhaft kritisiert wird, wird man unfrei und bekommt Hemmungen, die eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Die Unterdrückung der eigenen Ausdrucksweise wird gefördert zugunsten der Bereitschaft, nur noch vorgegebene Aufgaben zu erfüllen. Viele ältere Kinder kommen in den Malort und wissen nicht, was sie malen können weil sie keine Aufgabe oder ein Thema bekommen. Sie fragen „Was soll ich malen?“ anstatt „Was will ich malen?“ Oder sie reproduzieren anfangs stets Bilder für die sie einmal gelobt wurden oder gute Noten bekommen haben… Das geht solange, bis sie Vertrauen in den geschützten Raum und wieder zu sich selbst zurück gefunden haben. Dann beginnen die Abenteuer in ihre eigenen Bilderwelten. Welch glückliche Befreiung!
Aus diesen Gründen, ist die Haltung des Malort-Dieners frei von Bewertung und Belehrung. Die Malenden sollen frei werden von den eigenen, oft überhöhten Anforderungen, frei werden von den Erwartungen anderer. Dies ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen in Gang kommt, sondern eine Weile dauern kann…
Das Malspiel muss geübt werden, bis Können und Wollen in Einklang kommen.

 


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Kursleiterin: Conny Röth

 

 

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